Fränkische Nachrichten, 24.10.2007

Die Euphorie des Meisters war spürbar ...

W.A. Mozart: c-Moll-Messe

Bad Mergentheim. Gute fünf Minuten Schlussapplaus in der sehr gut besetzten Schlosskirche, nachdem die letzten Takte des Schlusschors "Dona nobis pacem" von Mozarts c-moll Messe verklungen waren, sprachen für sich und wirkten als eine eindrucksvolle Bestätigung dessen, was über die Dauer der eineinviertelstündigen Aufführung immer mehr herauskristallisiert hatte.

Mit ihrem jüngsten "Gemeinschaftswerk" ist Erhard Rommels "Cappella Nova" Chor im Verein mit den Instrumentalisten von "EI Capriccio" und vier Gesangssolisten ein weiterer imponierender Beweis dafür gelungen, dass sie auch ausgesprochenen Hochkarätern aus dem Fundus der abendländischen Kirchenmusik mehr als nur gewachsen sind. Und dazu zählt Mozarts im Jahr 1782 begonnene aber unvollendete c-moll Messe zweifellos. Ergänzt wurde die Aufführung in der Schlosskirche durch zwei kleinere Gelegenheitswerke des Meisters, das Adagio für Violine und Orchester KV 261 und das Andante für Flöte und Orchester KV 315.

Mozarts unvollendet gebliebene c-moll Messe gehört - zusammen mit der Krönungsmesse und dem ebenfalls unvollendeten Requiem - zu seinen bedeutendsten kirchenmusikalischen Schöpfungen. Es handelte dabei nicht - wie sonst oft bei diesem Komponisten - um ein Auftragswerk sondern um eine Arbeit, die ganz dem Enthusiasmus und der Euphorie des 26-jährigen Neuvermählten (er hatte im August 1782 gegen zähen Widerstand des Vaters endlich seine Constanze geehelicht) entsprungen war. Dabei mag der Wunsch, seiner jungen Frau (Constanze war nämlich wie ihre ältere Schwester, die hochbegabte, von Mozart vergeblich umworbene Aloysia Weber, Sängerin) ein spezielles Hochzeitsgeschenk zu machen, eine führende Rolle gespielt haben. Dies wird auch aus den technisch anspruchsvollen Solo-Sopranpartien des stilistisch sehr vielgestaltigen Werkes deutlich. Es wurde dann auch im Oktober 1783 mit Constanze Mozart als Solistin in Salzburg uraufgeführt.

Die eigentliche Bedeutung der Komposition liegt jedoch weniger in den stark vom italienischen Stil geprägten, koloraturenreichen Solonummern, die ohne große Veränderungen auch in einer Mozart-Oper hätten Platz finden können, sondern in der eigenständigen Verwendung der polyphonen Satzweise, beispielsweise in mehreren Schlussfugen, aus der die intensive Beschäftigung des jungen Mozart mit dem Werk Johann Sebastian Bachs hervorgeht. Diese überaus komplex und teilweise achtstimmig in Form des Doppelchors gearbeiteten Chorsätze zeigen das musikdramatische Genie Mozarts, das dann im Requiem eine letzte Vollendung erfuhr, in seiner ganzen überwältigenden Größe und Vitalität.

Mit stark herausgearbeiteten dynamischen Kontrasten, sorgfältig vorbereiteten Steigerungen, einer Verbindung von Genauigkeit und klug gebändigter dramatischer Wucht, dabei nie überhastet oder forciert wirkend, präsentierten Erhard Rommels Sängerinnen und Sänger alias "Cappella Nova" zusammen mit den bewährten "Capriccio"-Instrumentalisten die Nummern des ausgedehnten Gloria, das den musikalischen Schwerpunkt der c-moll Messe bildet. Der machtvolle und doch noch transparente "Qui tollis" Doppelchor mit seiner grandiosen Monumentalität war ein erster Höhepunkt, die enorm fordernde Schlussfuge "Cum sancto spirito" ein zweiter. Die ebenfalls anspruchsvolle Polyphonie des "Osanna in excelsis" am Schluss des Benedictus wurde in ihrer Wirkung nur noch durch die mit großem Atem geführten, intensiven Steigerungen des Agnus dei übertroffen.

Das hier schon oft zu hörende Kammerorchester „Il Capriccio", bei dem Konzertmeister Friedemann Wezel leider verhindert war, erhielt auch in diesem Werk mehrfach Gelegenheit, die bemerkenswerten Fähigkeiten seiner Instrumental-Solisten unter Beweis zu stellen, so zum Beispiel als Begleiter der Sopranarie "Et incarnatus est" oder des fein gearbeiteten Solo-Quartetts im "Benedictus". Weitere Anlässe dafür boten zwei eingeschobene Konzertsätze von Mozart, das eingangs gespielte, 1778 entstandene Andante für Flöte und Orchester C-Dur mit der bewährten Solistin Claudia Wallny und - als Intermezzo das Adagio für Violine und Orchester E-dur (1776) mit Konzertmeisterin Diethild Maier als Vertreterin für Friedemann Wezel.

Gut gefielen - last but not least - auch die vier Gesangssolisten, zunächst Manfred Birkhold als unüberhörbar zuverlässiger Bariton im Benedictus-Quartett und der noble Tenor Gert Bachmaiers, der in den Ensembles allerdings ein wenig Mühe hatte, sich gegen seine beiden Kolleginnen stimmlich durchzusetzen. Dies bezog sich vor allem auf den recht dominanten, gleichmäßig leuchtstarken Mezzo von Laetitia Cropp, während der Sopran von Isabelle Müller-Cant, von Natur aus zierlich und fast schon ätherisch, seine Dynamik erst in den hohen Regionen entfaltet. Ihre Paradenummer "Et incarnatus est" sang sie - gelegentlich etwas flackernd - jedoch mit feiner, süßer Expressivität und Hingabe.

Thomas Hess

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