Fränkische Nachrichten, 31.03.2026

Zwischen Todesernst und Trost:
Haydns Requiem berührt

Chor Cappella Nova entfaltet in der Schlosskirche ein dichtes musikalisches Spannungsfeld voller Ausdruckskraft

Minutenlanger Applaus in der sehr gut besuchten Schlosskirche belohnte die jüngste Aufführung von Chor und Orchester Cappella Nova unter Leitung von Esther Witt, die mit einer imponierenden Gesamtleistung ein weiteres Mal das künstlerisch außergewöhnliche Niveau bestätigten, das schon ihre vorausgegangenen Arbeiten gekennzeichnet hatte.

Gegeben wurde – passend zur vorösterlichen Fastenzeit – das Requiem in c-Moll von Michael Haydn (1737-1806), ergänzt durch zwei Kantaten von Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach.

Der jüngere Bruder von Joseph Haydn gilt heute als einer der wichtigsten Komponisten geistlicher Musik im 18. Jahrhundert. Er hat die katholische Kirchenmusik seiner Epoche entscheidend mitgeprägt, auch wenn er später zunehmend im Schatten seines berühmteren Bruders stand. Sein 1771 entstandenes, fünfteiliges Requiem, gewidmet seinem damaligen Dienstherrn, dem Fürstbischof Sigismund Graf von Schrattenbach, wurde in seiner Anlage und sakral-musikalischen Sprachgewalt Vorbild für zahlreiche Folgewerke der Gattung. Es übte nicht zuletzt einen vielfach nachweisbaren Einfluss auf das zwanzig Jahre später entstandene, legenden umwobene Requiem von Mozart aus. Dieser wirkte übrigens bei der Uraufführung von Michael Haydns Werk (zusammen mit seinem Vater Leopold) mit.

Unter der behutsam straffen Leitung von Esther Witt fanden der Chor und das eher sparsam besetzte Orchester Cappella Nova zu einer in sich konsistenten, fein abgestimmten, homogenen und dynamisch fokussierten Aufführung zusammen. Durch ihre Kraft, Präzision und Geschlossenheit hinterließ sie einen nachhaltigen Eindruck. Ausgehend von der ernst verhaltenen Intensität des Introitus und der sorgsam ausgefeilten Dynamik der Kyrie-Rufe gelang es beiden Ensembles in dichter Wechselwirkung eine durchgängige Spannung zu erzeugen. Die dramatischen Ballungen, die differenzierte Eloquenz und variable Dynamik der „Dies irae“-Sequenz kontrastierten eindrucksvoll mit der verinnerlichten Intimität des „Agnus Dei“ und den ausdrucksstarken Fugenteilen. Mehr als nur ansprechend waren die Leistungen der Gesangssolisten, der lyrischen Sopranistin Maria Bernius, von Sigrun Bornträger mit ihrer lauteren, kultivierten Altstimme sowie der metallisch schwingende und schwerelose Tenor von Oliver Kringel und die männliche Noblesse des Bassisten Marcel Brunner.

Vorangegangen waren der Aufführung zwei Kantaten von Georg Philip Telemann „Weiche Lust und Fröhlichkeit“ und Johann Sebastian Bach „Ich habe genug“ BWV 82, beide für Gesangssolisten und Orchester. Die von Bach zählt sicher zu seinen ergreifendsten Kompositionen auf diesem Gebiet. Beide Stücke gehörten zu den Highlights dieses Konzerts: Brillant und durchsichtig begleitet vom Orchester Cappella Nova (auch die im Begleitheft nicht namentlich erwähnten Instrumentalsolisten an Violine, Viola und Oboe seien hier hervorgehoben) konnte sich in Bachs Kantate Marcel Brunner durch seine expressive Wärme, Tiefe und emotionale Glaubwürdigkeit profilieren. In Telemanns schmerzlich-süßen Rezitativen und Arien wusste Maria Bernius mit ihren zierlichen Koloraturen und hingebungsvollen Affekten zu gefallen.

Thomas Hess

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