Fränkische Nachrichten, 16.11.2021

Konzert in der TauberPhilharmonie widmete sich Ludwig van Beethoven und Friedrich Witt

Nachgereichtes Geburtstagskonzert - Zwei Komponisten mit Parallelen

Es war ein nachgereichtes Geburtstagskonzert für die Komponisten Ludwig van Beethoven und Friedrich Witt: In der TauberPhilharmonie glänzten zwei Chöre, ein Orchester und Solisten mit ihren Darbietungen.

Zum „Konzert mit deutlich lokalpatriotischem Charakter“ begrüßte TauberPhilharmonie-Intendant Johannes Mnich trotz der derzeit geltenden Corona-Warnstufe und der entsprechenden Maskenpflicht auch am Platz rund 400 Gäste im Konzertsaal. Eigentlich bereits vor einem Jahr hatte der Bad Mergentheimer Chor Cappella Nova die Geburtstage von Ludwig van Beethoven und dem aus Niederstetten stammenden Komponisten Friedrich Witt mit einem großen Konzert feiern wollen. Beide sind Musikersöhne, beide erblickten 1770 – der eine, Witt, im November, der andere im Dezember – das Licht der Welt; die Geburtsorte beider trennen rund 300 Kilometer Entfernung. Sie teilen nicht nur Geburtsjahr und ansatzweise die Herkunftsgeschichte, es verbindet sie zusätzlich ein Werk: die „Jenaer Sinfonie“.

„Unverkennbar“

Entdeckt wurde die bis dahin unbekannte Sinfonie im Jahr 1909 in der Jenaer Universitätsbibliothek – und es gab gute Gründe, sie für ein Frühwerk Ludwig van Beethovens zu halten. Er habe sich an einer an Haydn angelehnten C-Dur-Sinfonie versucht, hatte Beethoven einst kund getan – und das Werk des Unbekannten wies durchaus Haydn-Ähnlichkeiten auf. Auch hatte Fritz Stein, der aus Gerlachsheim stammende Musikdirektor der Jenaer Universität, „unverkennbar Beethovensches Gepräge“ in der Komposition entdeckt. Gut ein halbes Jahrhundert blieb es dabei: Die „Jenaer“ stammt von van Beethoven. Erst 1968 wurde klar, dass man dem Bonner Genie fremde Federn angeheftet hatte. Als echter Autor wurde Friedrich Witt identifiziert. Wie bereits Beethoven unterstellt, dürfte es sich auch bei Witt um ein bereits recht früh, wohl zwischen 1792 und 1796 erarbeitetes Werk handeln. Anfang bis Mitte 20 war er da, und die Komposition basiert in Teilen tatsächlich auf Haydns C-Dur-Sinfonie Nr. 97.

Mit Lokalbezug

Die hatte der Wiener Klassiker dem Fürsten zu Oettingen-Wallerstein übersandt, bei dem Witt, später Hofkapellmeister des Würzburger Bischofs und Musikdirektor des dortigen Stadttheaters, seinerzeit als „Kammermusikus“ in Stellung war. Verzwickt verquickt, könnte man meinen, und dann noch ein 250. Doppelgeburtstag mit Lokalbezug! Das konnte sich der Chor Cappella Nova nicht entgehen lassen.

Spannend und anregend

Mit dem von Konzertmeister Martin Jopp geleiteten Main-Barockorchester Frankfurt gewann man ein hervorragendes Ensemble für die Aufführung der „Jenaer“ – und der nun wirklich von van Beethoven stammenden C-Dur-Messe, die der Chor gemeinsam mit dem Rothenburger St.-Jakobs-Chor unter der Leitung von Karl Rathgeber und Jasmin Neubauer einstudierte. Entstanden ist ein spannendes und höchst anregendes Gemeinschaftswerk, das beim Publikum bestens ankam. Perfekt brachte das Orchester die ausdrucksstarke, zwischen Elfentanz und dramatischen Elementen changierende Dynamik bereits des ersten Satzes der Witt-Sinfonie zum Klingen, die fast an Hirtenlieder gemahnende, unaufgeregt atmende Schlichtheit des Adagio cantabile und das in der Tat teils majestätisch schreitende, teil ins Romantische schwingende Menuett. Und wirklich: besonders der vierte Satz in Allegro lässt die Konturen zwischen Witt und Beethoven verschwimmen.

Großer Wurf

Ein großer Wurf gelang dem Chor Cappella Nova und dem St.-Jakobs-Chor mit Beethovens Messe C-Dur: Dass es sich hier um Amateur-Formationen handelt, mag man kaum glauben. Glänzend harmonierten Chor, Orchester und die hervorragenden Solisten Helen Rohrbach (Sopran), Maria Hilmes (Alt), Jo Holzwarth (Tenor) und Felix Rathgeber (Bass) in der anfänglich umstrittenen, weil ihrer Zeit vorauseilenden, von Fürst Nikolaus von Esterhazy bei Beethoven in Auftrag gegebenen Messe.

Welcher Reichtum

Welche Stimmen! Welcher Reichtum! Auch, wem für eine Mess-Aufführung der Kirchenraum fehlte, dürfte den Abend in vollsten Zügen genossen haben. Der lang anhaltende Beifall für Solisten, Chöre und Orchester war keineswegs nur dem „lokalpatriotischen Charakter“ des Konzerts zu verdanken, sondern ganz einfach hoch verdient.

Inge Braune

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