Fränkische Nachrichten, 29.12.2014

Ungewöhnliche stilistische Kompetenz beeindruckte

Weihnachtskonzert: Der Chor Cappella Nova in der Schlosskirche

Bad Mergentheim. Eine große Bandbreite von bekannten und weniger bekannten - doch stets packenden und emotional eindringlich interpretierten - Weihnachtsliedern und Chorsätzen präsentierten die Sängerinnen und Sänger des von Walter Johannes Beck geleiteten Chors Capella Nova bei ihrem jüngsten Auftritt in der voll besetzten Schlosskirche.

In dem etwa eineinviertel Stunden währenden Konzert mit gattungstypischen Kompositionen über mehrere Epochen hinweg demonstrierte der Chor Cappella Nova einmal mehr seine ungewöhnliche stilistische Kompetenz, sorgfältig geschulte Klangkultur und die Fähigkeit, sich in die Eigenart sehr unterschiedlicher Stücke einzufühlen und sie den Zuhörern zum unmittelbaren, lebendigen spirituellen Erlebnis werden zu lassen.

Vertieft und ergänzt wurde der vokale Teil der Weihnachtsmusik auch in diesem Jahr durch zwei kleine Instrumentalsätze (aus Barock und Romantik) und zwei Liedtext-Meditationen von Pfarrerin Angelika Segl-Johannsen.

Überhaupt waren Vielfalt und Abwechslung in den teils von Chorleiter Walter Johannes Beck am Klavier begleiteten, teils unbegleiteten, insgesamt 20 Nummern des Programms angesagt, auch wenn die - ganz unironisch gesprochen - gute alte Tradition des deutschen Weihnachtsliedes naturgemäß einen Schwerpunkt bildete. Denn eine Weihnachtsmusik ohne Stücke wie beispielsweise die eröffnende a-cappella Motette "Übers Gebirg Maria geht" von Altmeister Johannes Eccard (1553 bis 1611), die mit dem sehr innigen, beseelten und stimmlich ausgeglichenen Vortrag sogleich aufhorchen ließ, wäre wohl keine rechte Weihnachtsmusik.

Und Ähnliches galt beispielsweise für die traute Melodie von Bachs "Ich steh an deiner Krippen hier" (hier in der etwas späteren "Schemelli"-Version) oder Prätorius' "Es ist ein Ros' entsprungen", das von dem Ensemble auf wunderbar ausgeruhte, fast schon jenseitige Stimmung evozierende Weise zelebriert wurde. Auch das anrührende "Maria durch den Dornwald ging" von Günter Raphael, einem Komponisten des letzten Jahrhunderts, mit seiner leuchtenden Transparenz gehört noch in diese Tradition ebenso wie die zärtlichen Pianotöne fürs "Menschenkind, im Stall geboren" von Organist Winfried Heurich (geboren1940).

Eine ansteckend fröhliche und muntere Note wiederum prägten die Beispiele aus dem englischen Sprachraum, eingängige Traditionals wie "The first Nowell" oder das jüngere "Lord of the Dance" des Iren Sidney Carter (nicht zu verwechseln mit dem Musical gleichen Namens), doch auch Johann Crügers Chor- und Instrumentalsatz aus dem 17. Jahrhundert "Fröhlich soll mein Herze springen" oder ein altböhmisches Weihnachtslied zeugten davon, dass auch in früheren Epochen die Weihnachtszeit mit ungebrochener Lebensfreude verbunden wurde.

Eine altertümlich feierliche und zugleich seltsam neuzeitliche Stimmung wiederum umgab den eindrucksvollen mittelalterlichen Hymnus "Veni Emmanuel", hier in einem neu arrangierten Wechselgesang zwischen Chor und Soloklarinette (gespielt von Annette Hirt).

Ein gemeinsam gesungenes "Stille Nacht" beendete gefühlvoll den offiziellen Teil des Konzerts, doch ließen es sich die Sängerinnen und Sänger von "Cappella Nova" unter Walter Johannes Beck nicht nehmen, sich mit einem Gloria aus Engelszungen für den sehr herzlichen Applaus zu bedanken.

Thomas Hess

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